Gastbeitrag von Lisa Laibach
Wer hat an der Uhr gedreht? Paulchen Panther spricht damit den Sternenhimmel-Fans aus dem Herzen, denn durch die Uhrumstellung verschiebt sich die Sichtbarkeit des Sternehimmels abends deutlich nach hinten.
Was uns die Sterne im April bringen, erklären Sabine Frank, Sternenpark-Beauftragte beim Landkreis Fulda, und Hobby-Astronom Dr. Franz-Peter Schmidt in ihrer monatlichen Himmelsvorschau.
Durch die Umstellung der Uhr kann man nun außerhalb der Rushhour die wunderschöne Dämmerung mit ihrer blauen Stunde genießen. Und diese wird im April ergänzt um die schöne Venus.
Als innerer Planet steht die Venus der Sonne stets nahe – sie ist deshalb in der Abenddämmerung als Abendstern und im Morgengrauen als Morgenstern bekannt.
Im April und Mai sieht man sie eine Weile nach Sonnenuntergang tief im Westen leuchten. Schwenkt man dann den Blick Richtung Süden entdeckt man den äußeren Planet Jupiter inmitten der hellen Wintersterne.
Ostervollmond und Sichelmond
Der April beginnt mit dem Oster-Vollmond am Gründonnerstag. Die alte Regel, einst von Konstantin dem Großen auf dem Konzil von Nicäa festgelegt, besagt, dass Ostern am Sonntag nach dem 1. Vollmond nach Frühlingsanfang zu begehen ist und nie früher als das jüdische Passahfest.
Nach dieser Osterregel richten sich alle beweglichen christlichen Feiertage. Am 19. April ist Neumond und in den Tagen danach sehen wir die wunderschöne Nähe von Sichelmond und Venus. Zum Ende des Monats hin erreicht der Mond wieder seine Vollmondposition.
Der Frühlingssternenhimmel und seine Fernglas-Überraschungen
Während sich die Wintersternbilder nach Einbruch der Dunkelheit dem westlichen Horizont nähern, dominiert halbhoch im Süden das Tierkreiszeichen Löwe den Frühlingshimmel. Es lohnt sich, ihn nochmal aufzusuchen, denn im Mai wird er schon wieder untergehen.
Dabei hilft der Große Wagen, der nun fast im Zenit steht. Verlängert man die vorderen beiden Kastensterne des Wagens Richtung Horizont, stößt man auf Regulus, den bläulich funkelnden Hauptstern des Löwen. Von Regulus aus findet man die relativ freistehende restliche Figur des Löwen.
Stehen die beiden hinteren Körpersterne, die den Rumpf des Löwen bilden, genau senkrecht übereinander, findet man am Horizont exakt den Südpunkt. Diese Information bietet für die Navigation ohne Satelliten eine gute Orientierung und kann Nacht für Nacht am Himmel erprobt werden.
Und jetzt kommt das Fernglas ins Spiel: Rechter Hand des Sternbilds Löwen kann man auf halber Strecke zu den Zwillingssternen Regulus und Pollux in klaren dunklen Nächten im Sternbild Krebs mit bloßem Auge einen schwachen Fleck erkennen.
Dies ist ein offener Sternhaufen mit der Bezeichnung Praesepe, auch Krippe, genannt. Interessant wird es, wenn man durch ein Fernglas schaut, denn dann erkennt man zahlreiche der ca. 1000 Sterne in kugelförmiger Anordnung. Links des Löwen befindet sich ein weiterer Sternhaufen mit dem Namen Melotte 111, der mit bloßem Auge sichtbar ist und noch besser im Fernglas.
Der große Wagen hilft nun auch, die beiden anderen bekannten Frühlingssternbilder Bootes und Jungfrau zu finden. Verlängert man die Deichsel des Großen Wagen Richtung Horizont, findet man zunächst Arktur, den hellsten Stern im Bootes und dann auch Spica in der Jungfrau.
Sie gehört zu den hellsten Sternen des Frühlingshimmels und ist ca. 250 Lichtjahre von der Erde entfernt. Ihr lateinischer Name bedeutet Ähre. In der Mythologie verkörpert die Jungfrau die Tochter der Ackerbaugöttin Demeter.
Zu später Stunde rücken von Osten her die Sternbilder des Frühsommers – wie die Nördliche Krone und der Herkules – nach. Da es nun morgens später hell wird, können Frühaufsteher den nahenden Sommer am frühen Morgen im Zenit bewundern.
Rund um den 20. April huschen endlich wieder Sternschnuppen über den Himmel. Es sind die Lyriden – ein jährlich wiederkehrender Meteorstrom, der am besten zwischen 22 und 4 Uhr erblickt werden kann.
Saharastaub als himmlisches Phänomen
Die typische Wetterlage im Frühling, wenn Hochdruckgebiete warme Luft aus dem Süden nach Mitteleuropa leiten, bringt durch hohe Winde besonders häufig Saharastaub über die ganze Welt. Konzentration und Strömungsrichtung werden vom meteorologischen Dienst Griechenlands überwacht.
Jährlich entstehen fünf Milliarden Tonnen Saharastaub. Passatwinde verfrachten davon sogar 50 Millionen Tonnen nach Südamerika. Das ist für die die Fruchtbarkeit des Amazonasgebiets und Mineraliengehalt der Ozeane sehr wichtig. Auch auf unseren Feldern wirkt der nährstoffreiche Staub als wertvoller Dünger, wenn er vom Himmel fällt.
Charles Darwin entdeckte 1832 während seiner Forschungsreise mit dem Segelschiff bei Erreichen der Kapverdischen Inseln, dass die Segel des Schiffes mit gelbem Staub bedeckt waren.
Er sicherte sechs Materialproben davon in Glasfläschchen, um sie später an Christian Gottfried Ehrenberg, einem Geologen am Museum für Naturkunde Berlin, zu senden. Ehrenberg sammelte und analysierte zu dieser Zeit Staubproben aus allen Teilen der Welt. 1845 erhielt Darwin das Analyseergebnis von Ehrenberg: Alle Staubproben hatten den gleichen Ursprungsort in der Sahara.
Darwins Saharastaubmuster sind heute noch im Museum für Naturkunde vorhanden. Während der Saharastaub den Taghimmel milchig eintrübt, sorgt er für besonders intensive Sonnenuntergänge und in der frühen Nacht für ein beeindruckendes Schimmern, wenn sich das Licht der Sonne im Staub bricht – ein ganz natürlicher Skyglow mit einem Gewinn für die Ökologie.
Hinweis: Bitte daran denken, zum Schutz der wildlebenden Tiere Kunstlicht zu vermeiden bzw. rücksichtsvoll zu nutzen. Die Beobachtung des Sternenhimmels ist bereits an den Ortsrändern möglich – Schutzgebiete sind tabu.
Veranstaltungen im Sternenpark Rhön finden Sie auf www.biosphaerenreservat-rhoen.de/sternenpark.



